80 % der KI-Projekte scheitern – Realität oder Mythos?

Die Erwartungen an künstliche Intelligenz (KI) sind enorm: Effizienzsteigerung, Automatisierung, neue Geschäftsmodelle. Doch trotz dieser Chancen scheitern viele Unternehmen bei der Umsetzung – oft, bevor wirklicher Nutzen entsteht. Eine populäre Aussage lautet: „80 % aller KI-Projekte scheitern wegen mangelhafter Implementierung.“ Aber wie realistisch ist dieser Wert – und was steckt dahinter?

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1. Woher kommt die 80 %-Zahl?

Verschiedene Untersuchungen aus Forschung und Praxis zeigen, dass eine große Mehrheit der KI-Initiativen nicht den erhofften Weg in den produktiven Einsatz schafft. Die RAND Corporation fand in ihrem 2024er-Bericht, dass mehr als 80 % der KI-Projekte scheitern, etwa doppelt so häufig wie klassische IT-Projekte.  

Diese Quote deckt sich mit weiteren Analysen, die zeigen, dass viele KI-Vorhaben in der „Proof-of-Concept-Phase“ stecken bleiben, nie operationalisiert werden oder keinen messbaren geschäftlichen Mehrwert liefern.  

Experten sprechen daher oft von einer 90-Percentage-Problemstellung – je nachdem, wie „Scheitern“ definiert wird.

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2. Noch dramatischer: Studien zur Generativen KI

Eine verbreitete, aktuellere Studie des MIT berichtet über eine noch höhere Misserfolgsquote für generative KI-Projekte: Dort sollen bis zu 95 % aller Initiativen keinen messbaren Geschäftsnutzen erzielen.  

Das heißt: Bei allgemeinen KI-Projekten kann man von >80 % nicht erfolgreicher Umsetzungen ausgehen. Bei generativen KI-Piloten, also solchen mit fortgeschrittenen Modellen, ist die Zahl sogar noch höher.

Ob 80 % oder 95 % – der Tenor bleibt gleich: Viele Unternehmen scheitern – aber es gibt sachliche Gründe dafür.

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3. Warum scheitern so viele KI-Vorhaben?

a) Fehlende Strategie und Ziele

Viele Projekte starten ohne klar definierten Geschäftsfall oder messbare Ziele. KI wird „technologisch um ihrer selbst willen“ eingeführt, statt an Unternehmensprozessen auszurichten.

b) Schlechte Datenqualität

KI braucht saubere, gut strukturierte Daten. Unternehmen unterschätzen oft den Aufwand für Datenvorbereitung – bis zu 80 % der Projektzeit geht allein in diesen Bereich.  

c) Mangelnde Integration

Technologie allein reicht nicht. Ohne Anpassung bestehender Prozesse und Workflows bleibt die KI ein isoliertes Tool, statt einen tatsächlichen Mehrwert zu schaffen.

d) Skills- und OrganisationslĂĽcke

Viele Unternehmen haben nicht die internen Kompetenzen fĂĽr KI-Entwicklung, -EinfĂĽhrung und -Wartung. Externe Spezialisten werden zwar eingesetzt, aber oft ohne langfristige Perspektive.

e) Fehlende Change-Management-Kultur

KI beeinflusst Arbeitsweisen und Rollen. Ohne Kommunikation, Schulung und Akzeptanz bei Mitarbeitenden verpufft ein GroĂźteil des Potenzials.

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4. Was bedeutet eigentlich „Scheitern“?

Hier liegt ein zentraler Punkt: Je nach Definition unterscheidet sich die Quote erheblich:

Definition Misserfolgsrate

Kein produktiver Einsatz >80 %

Kein messbarer Geschäftswert ~95 %

Abbruch vor Proof of Concept variiert (70 – 90 %)

Die 80 %-Zahl gilt also überwiegend für Projekte, die nie über ein erstes Pilotstadium oder eine produktive Anwendung hinauskommen. Sie ist kein Naturgesetz, sondern ein Praxisbefund auf Basis empirischer Auswertungen.  

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5. So lässt sich das Scheitern vermeiden

Der Erfolg einer KI-Implementierung hängt stark von der Vorbereitung und dem Integrationsprozess ab. Erprobte Erfolgsfaktoren sind:

âś” Klare Zieldefinition:

Was soll KI bewirken – und wie wird der Erfolg gemessen?

âś” Datenstrategie:

Datenqualität, Datenzugriff und Governance sind Grundvoraussetzungen.

âś” Prozessintegration:

KI muss Teil des operativen Geschäfts werden – nicht ein Insellösung.

âś” Kompetenzen aufbauen:

Teams brauchen Ausbildung, Rollen und Verantwortlichkeiten.

âś” Change Management:

Kommunikation, Training und Akzeptanz fördern den Einsatz.

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6. Fazit: 80 % ist realistisch – aber kein Schicksal

Zusammenfassend lässt sich sagen:

✔ Ja, Studien belegen, dass mehr als 80 % der KI-Projekte nicht zu produktiven Ergebnissen führen – meist wegen Implementierungsproblemen.  

✔ In manchen Auswertungen liegt die Zahl sogar bei 95 %, wenn man Projekte ohne messbaren Geschäftsnutzen betrachtet.  

Der Wert von KI wird also nicht allein durch Technologie bestimmt, sondern durch Organisation, Strategie, Daten und Kultur. Unternehmen, die diese Aspekte ernst nehmen, gehören zur Minderheit – aber genau diese Minderheit schöpft echten Mehrwert aus KI-Systemen